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Von: Marc | 1. September. 2009, 2:20 pm

David Schumann - Interview zur Tour

david schumann blog

Hamburg - Zur aktuellen Lesereise von David Schumann habe ich ein Interview mit ihm für das event. Magazin geführt. Hier bei tempodome.com könnt ihr exklusiv das ungekürzte Interview lesen:


Das Modeln mache ich als Beruf, um meine Miete zu bezahlen.“

Die Geschichte vom Japanologiestudenten, der in Tokio eher zufällig zum gefragten High-Class-Model wurde, haben inzwischen wohl die meisten gehört. Ab September ist David Schumann mit seinem Buch „Tokyo Diaries“ auf Lesereise in Deutschland unterwegs. Mit event. sprach der 32-jährige über das Schreiben, sein Leben zwischen Deutschland und Tokio, die Lesungen und die Schwierigkeit, ständig nur als Model wahrgenommen zu werden.

 

Ich habe gehört, dass du gerade erst wieder zurück in Deutschland bist. Wo hältst Du dich denn mehr auf? In Japan, Deutschland oder ganz wo anders?

Die meiste Zeit in Japan, so acht Monate im Jahr. Ich versuche das aber so gut es geht aufzuteilen. Ideal wäre 50/50, aber das ist leider nicht immer so einfach umzusetzen.

Deine Zeitplanung ist also sehr arbeitsbezogen?

Ich liebe Japan, lebe gern da und arbeite tatsächlich eine Menge dort. Aber ich liebe auch mein  Zuhause in Köln. Es gibt in beiden Ländern Dinge, die mir gefallen und die ich dann auslebe. Das passt sehr gut.

Das glaube ich gern. Mal ein kurzer Rückblick zum Beginn deiner Tagebuchpublikationen. Wie kam es zur ersten Veröffentlichung im OX Fanzine?

Ich habe vorher schon zwei bis drei Jahre lang Kolumnen im OX geschrieben, parallel habe ich mein eigenes Heft herausgebracht. Es war für mich dann ein logischer Schritt, dass ich angefangen habe, an den Tokyo Diaries zu schreiben. Der Beginn davon wurde dann auch gleich im OX veröffentlicht.

Das Buch endet ja am 30. März 2007. Was ist danach bei dir passiert?

Ich war fast eineinhalb Jahre in Köln. Ich wollte nicht alles abbrechen und in Japan leben, weil ich  schon dreißig war und mir klar war, dass das mit dem Modelding nicht für immer gehen wird. Ich brauchte eine Sicherheit und hatte schon fünf Jahre Japanologie studiert. Deshalb habe ich ein Jahr in Deutschland hardcore studiert und meinen Abschluss gemacht. In den Ferien bin ich immer für ein bis zwei Monate nach Japan gefahren. Dort  habe ich gemodelt und am Buch gearbeitet. Neben dem Studium habe ich das ganze Jahr das Buch redigiert, Sachen rausgeschmissen, Sachen neu hinzugefügt und so weiter.

Klingt anstrengend. Du hattest in der beschriebenen Zeit im Buch beinahe durchgehend sehr gute Noten, da hat ja beides gut geklappt, Leben und Studium…

Das hat sich nie widersprochen. Gerade der Modeljob hat einen sehr großen Vorteil: Man hat relativ viel Freizeit. Wenn ich jeden Tag ein Fotoshooting hätte, wäre ich Millionär. Man hat aber nur drei bis vier Jobs im Monat, den Rest des Monats kannst du die Zeit zu deiner freien Verfügung nutzen. Da habe ich vor allem an den Tokyo Diaries weitergeschrieben, in Bands gespielt und meinen Abschluss an der Uni gemacht. Das hat sich alles eher gegenseitig unterstützt.

Was mich an den Tokyo Diaries sehr begeistert ist die Idee, hinten im Buch den Soundtrack zum Geschriebenen zu integrieren. Welche Bands würden denn heute dort stehen?

Die Bands, die da stehen, würden da jetzt zu hundert Prozent genauso stehen. Es würden noch Set Your Goals mit dabei sein, weil das meiner Meinung nach die beste Hardcore Band dieses Jahrtausends ist. Im Prinzip sind ein paar Bands hinzugekommen, aber mein Musikgeschmack hat sich nicht großartig geändert. Die ganze neue Riege, die Hardcore mit Pop-Punk kreuzt, so etwas liebe ich halt.

Spielst du momentan in einer Band?

In Japan jetzt gerade nicht, aber in Deutschland. Meine Band „Go as in Gorgeous“ steht auch hinten auf der Liste. Wir haben vor kurzem unsere erste EP herausgebracht, auf digitalem Weg. Das ist ein Zwei-Mann-Projekt. Wir machen das, weil wir Bock hatten Musik zu machen, die wir wirklich hören wollen. Es ist eine Mischung aus Pop-Punk und Elektrozeug, quasi Pop-Punk für die Clubs, wenn du so willst. Etwa wie Blink 182 mit einem Dance Beat drunter.

So ähnlich wie eine punkige Version von The Postal Service?

Genau, im Prinzip pop-punkige The Postal Service. Es gibt einige Bands, die uns inspiriert haben, zum Beispiel Hellogoodbye gemischt mit Reggie And The Full Effect, dazu noch ein Schuss Weezer. Wir machen diese Musik richtig gerne, egal ob das irgendwer hören will oder ob es sich verkauft. Redfield Records hat das gleich gefallen und sie haben es veröffentlicht. Ein super Bonus, mit dem niemand gerechnet hat.

Gibt  es Tourpläne?

Nee, wir haben noch nicht live gespielt und wissen nicht, ob wir das können, da wir nur zu zweit sind. Das meiste müsste dann über den Computer laufen, oder wir würden eine Band aus Freunden zusammenstellen. Keine Ahnung ob das geht. Wir sind beide sehr beschäftigt. Wir wollen das irgendwann machen, wissen aber nicht, ob das realistisch ist.

Also wenn ich jetzt gerade gehofft habe, dass du das bei deiner Lesereise einbaust…

Das ist leider unmöglich. Was ich einbauen werde sind einzelne Songs, die ich so zwischen gewissen Abschnitten abspielen werde, weil ich einfach keinen Bock habe, eineinhalb Stunden nur zu lesen. Ich mache kurze Breaks wo dann Lieder kommen, nicht nur von uns, sondern auch von anderen Bands.

Klingt spannend. Worauf können sich denn die Leute freuen, die zu der Lesereise kommen?
Klar, es ist eine Lesung aus einem Buch. Das wird keine Stand-Up Comedy Show, kein Konzert oder ähnliches. Aber wir wollen die Auftritte visuell aufwerten indem wir zum Beispiel Dias zeigen, die inhaltlich mit der Story zu tun haben, so dass die Leute sich ein Bild von dem machen können, wovon ich erzähle und auch was sehen und nicht nur hören. Musik will ich auch abspielen, die dann eine auditive Komponente gibt und das ganze ein bisschen abhebt von einer normalen Lesung, bei der nur einer da sitzt und mit sonorer Stimme etwas vorträgt.

Gibt es denn Planungen für spezielle Dinge wie Karaoke-Einlagen oder „All you can drink“ für die Zuschauer?

Also „All you can drink“  wird es auf jeden Fall für mich auf der Bühne geben (lacht). Die Getränke der Leute kann ich leider nicht übernehmen, aber sie sind natürlich angehalten soviel zu saufen wie sie möchten, vor, während und nach der Show. Karaoke oder Comedy-Stuff gibt es nicht, aber sonst wird es offen und frei. Es ist halt Punkrock, da kann alles passieren.

Sind denn weitere Teile der Tokyo Diaries geplant, weil alles so super ankommt?

Ich weiß nicht, ob ich mich darauf festlegen lassen und noch einmal in derselben Form einen Tagebuch-Roman schreiben will. Ich schreibe weiter und hab viele Ideen für ein weiteres Buch, aber ich glaube nicht, das es die gleiche Form haben wird. Es muss auch nicht zwangsläufig mit Tokio zu tun haben. Es wird eine Geschichte erzählt und die wird in dem Stil stattfinden, weil das der Stil ist, in dem ich rede und schreibe. Aber worum es genau gehen wird und ich welcher Form lasse ich im Moment noch offen.

Aber es ist schon mal gut zu wissen, dass es weitergehen wird…

Auf jeden Fall. Wie gesagt, ich habe vorher schon viel geschrieben, währenddessen und hinterher auch. Ich liebe schreiben, es macht mir super viel Spaß und ich brauche das um runter zu kommen und Dinge zu verarbeiten. Das ich das veröffentlichen kann ist für mich nur ein Bonus oben drauf.

Was mich zum Abschluss interessieren würde: Ich schätze du wirst häufig mit denselben Fragen genervt. Gibt es irgendwas, was du nicht mehr hören kannst?

Die Modelgeschichte, die kann ich nicht mehr hören. Es wird immer wieder gefragt: „Wie ist das passiert, dass du Model geworden bist?“. Ich hab das jetzt zwei Jahre lang allen deutschen Medien erzählt und langsam ist es mal gut. Ich habe keinen Bock, auf dieses Modelding reduziert zu werden. Weil auch die meisten Models, so unter uns gesagt, gehirnamputiert sind und ich mich viel eher in der Rolle des Schriftstellers oder Musikers sehe. Das Modeln mache ich als Beruf, um meine Miete zu bezahlen.

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Kategorien: Lesung, Musik, Punkrock

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Von: Marc | 2. July. 2009, 4:14 pm

David Schumann - The Tokyo Diaries

david schumannHamburg - Ich weiß, hier geht es nicht um ein Konzert. Aber es sind Auftritte. Leseauftritte. Spoken Word halt. Vielleicht lernen wir hier den neuen Henry Rollins kennen? Naja. Auf jeden Fall ist David Schumann in erster Linie Musiker. Und Model. Und jetzt auch Schriftsteller. Ich nerve euch jetzt nicht mit meinen Geschichten über 365 Days In A Week (seiner zweiten Band) und der Tour mit den Get Up Kids sondern lege euch seine Lesereise ans Herz.

Habe das Buch bereits gelesen. Und zwar mit ner Menge Spass dabei. Reiseliteratur im Gonzo Style: Es geht um Alkohol, Musik und Frauen. Alles in Tokio. Sehr authentisch und ehrlich - manchmal vielleicht zu ehrlich. Aber immer interessant. Vor allem aber immer mit Bezug zur Musik, egal ob David über eigene Bands berichtet oder darüber, was er grade hört oder wen er als Tourmanager in Tokio betreut. Zusammengestellt aus seinen Tagebucheinträgen und Emails während seines Studienaustausch-Aufenthaltes in Japan. Das Buch kann ich euch nur ans Herz legen und die Tour auf jeden Fall auch!

Kategorien: Konzert, Lesung, Musik

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